Seeseil

Wissenswertes

Für was und wofür gibt es eine Bordkasse und mit welcher Bordkassen-Einzahlung muss ich rechnen?

Die Bordkasse ist eine Gemeinschaftskasse, in die alle Mitsegler außer dem Skipper einzahlen. Aus ihr werden alle Kosten beglichen, die für das gemeinsame Segeln während eines Törns anfallen. Auch die Verpflegung der Crew an Bord und die des Skippers, geschieht über die Bordkasse. Die Kosten für die Kasse hängen also weitgehend von den Ansprüchen und Ausgaben der Gruppe an Bord ab. Der Veranstalter oder Skipper hat keinen Einfluss auf die Höhe der Bordkasse. 
Einer der Hauptposten der Bordkasse ist die gemeinsame Verpflegung an Bord, die vor Ort in den jeweiligen Geschäften oder Märkten gekauft wird. Ob das gemeinsame Essen im Restaurant hingegen selbst oder aus der Bordkasse bezahlt wird, kann jede Crew selbst bestimmen und jeder kann so essen, wie er möchte.  Deshalb rechnen wir diese individuellen Restaurantkosten normal nicht zur Bordkasse, sondern sie werden individuell vereinbart.


Weiterhin fallen zum gemeinsamen Törn diverse Betriebskosten und Gebühren für die Yacht an, die nach Länder und Seegebieten (Reviere) variieren können.

Wie zum Beispiel.

 

  • Anfallende Hafengebühren oder Bojen-entgelte.

  • Befahrensgebühren, Transitlogs.

  • Naturpark-Gebühren.

  • Einklarierungsgebühren bei Länderwechsel.

  • Dieselverbrauch (ca. 3 lt. pro Betriebsstunde) durch Motoren statt segeln.

  • Wasser und Landstrom nach Bedarf.

  • Bettwäsche und Handtücher, wenn nicht anders angegeben. (Servicepaket)

  • Endreinigung, wenn nicht anders angegeben.

  • Mögliche Entgelte für gemeinsame verursachte Schäden oder Verluste, die durch die zu empfehlende Kautionsversicherung abgegolten werden können.

 

Bei einigen Charterfirmen ist im Starthafen ein Servicepaket zu bezahlen, das die Bettwäsche, eine volle Gasflasche, die Endreinigung, die erste und letzte Nacht Hafengebühr im Heimathafen der Yacht und die Kautionsversicherung umfasst. Für die genaue Höhe der Bordkasse sind letztlich folgende Kosten maßgeblich: die Zahl der Restaurant-Mahlzeiten (häufiges Essen im Restaurant auf eigene Kasse "schont" die Bordkasse, da weniger gemeinsame Bordverpflegung eingekauft wird), die Häufigkeit der Hafenaufenthalte (Hafengebühren), die Zahl der Flautentage (Dieselverbrauch durch Motoren statt Segeln) und natürlich vor allem auch das gesamte Preisniveau in dem jeweiligen Gebiet. So sind z. B. in Thailand, Kuba und in Griechenland die Lebenshaltungs-, Gebühren und Betriebskosten recht günstig,

Für eine Woche müssen ca. 100 €- 200 €/p.P. Je nach Revier, für die Bordkasse gerechnet werden. Oder ohne Verpflegung sind die Nebenkosten zwischen 50 € – 80 € p.P. Woche.

 

Wir kennen viele Crews, die mit deutlich geringerer Bordkasse ausgekommen sind als angegeben, genauso wie es auch Crews gibt, die sich an Bord täglich die tollsten Menüs gekocht haben und lieber in teuren Marinas übernachtet haben.

 

Was soll ich mitnehmen – oder was ist sinnvoll!

 

Brauche ich einen Schlafsack und/oder eine Iso-Matte.

Wenn Ihr an Deck des Schiffes oder am Strand schlafen möchtet, ja!

Wir empfehlen denjenigen die gerne an Deck oder am Strand schlafen möchten einen eigenen Schlafsack, eine Isomatte und ein Handtuch mitzunehmen. So seid Ihr in jedem Fall unabhängig, Es wird nicht erlaubt die Polster der Yacht dafür zu verwenden. Bei einigen gibt es sogenannte Sonnenliegepolster, die für Sonnen und schlafen an Deck gedacht sind.

Auf den Yachten gibt für jeden Mitreisenden ortsübliche Decken und Kissen. Bei den meisten Törns gibt es auch frische Bettwäsche und ein Handtuch, ist meistens im Preis inbegriffen. Aber immer öfter verlangen Firmen in einem Starterpack die Bettwäsche extra. Die Kosten sind hier zwischen 10 – 20 € pro Person. Deshalb sollte immer nachfragt werden.

 

Welches Reisegebäck ist Sinnvoll und was sollte ich alles in meinen Seesack oder Reisetasche packen? Bitte keine sperrigen Koffer!

Auf einer Segelyacht ist wenig Platz. Es gibt keine Schränke, nur Fächer in verschiedenen Größen. Verpackt euer Gepäck deshalb in eine weiche Tasche oder einen Seesack. Koffer sind ungeeignet und können nicht untergebracht werden. An Bord und bei Landgängen ist funktionelle Kleidung sinnvoll. Nach unserer Erfahrung reicht ein Minimum an Kleidung an Bord eines Segelschiffes aus. Hier einige Inspiration:

  • Bargeld für die Bordkasse

  • Sonnenbrille, Sonnencreme, windfeste Sonnen-Kopfbedeckung

  • Bordschuhe (Schuhe, die nur an Bord getragen werden = rutschfeste Sportschuhe mit heller Sohle)

  • Fahrradhandschuhe (wenn vorhanden)

  • Feste Schuhe für Landausflüge

  • Kleidung Mittelmeer: Sommersachen, ggf. leichte Jacke / Pullover für abends. Wärmere Sachen und ggf. Regen und Windstopper.

  • Kleidung für Vor- und Nachsaison. Warmer Pullover/ Fleece, ggf. Woll-/ Fleece-Socken, ggf. Mütze (beim Abend-/ Nachtsegeln kann es in der Vor-/ Nachsaison kühl sein) Tipp: mehrere dünne Pullover wärmen besser als ein dicker Pullover!

  • Segelkleidung (regen- und winddichter Anzug, spritzwasserdichte Fahrrad-Regenkleidung reicht in der Regel aus)

  • Unempfindliche Kleidung (Bei Teakdecks können die Fugen bei Hitze / mit Sonnencreme auf die Hose abfärben)

  • 1 Badehandtuch, Badesachen, Taucherbrille/Schnorchel/Flossen (wer mag)

  • 1 Geschirrtuch pro Person

  • Kamera

  • Musik (für sich selbst und den CD-Player an Bord)

  • evtl. Buch / E-Book (für ruhige Stunden und Flautentage), evtl. Segelliteratur, kleinen Reiseführer.

  • evtl. kleine Spiele (Karten, Würfel, etc.)

  • Reiseapotheke: ungeübte/ empfindliche Segler sollten für alle Fälle ein Mittel gegen Seekrankheit mitnehmen (in Apotheke fragen, z. B.: Kaugummi, Reisetabletten, Reisezäpfchen), Magen-/ Darmtabletten, evtl. Ohropax gegen Schnarcher, Lippensalbe, Heftpflaster, Taschentücher, Schmerz-/ Fiebermittel, sonstige Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen.

 

Gibt es Strom an Bord der Segelyachten?

An Bord einer Segelyacht gibt es nur 12 Volt Strom außer im Hafen, wenn Landstrom angeschlossen ist. Handys lädt man mit eigenem 12-Voltadapter, im Hafen mit Landstrom oder bei einem Restaurantbesuch.

Gibt es Steckdosen an Bord der Segelyachten?

Ja, es gibt auf allen Segelyachten Steckdosen. Es gibt eine oder zwei Steckdosen, die allerdings nur bei Landstrom im Hafen genutzt werden können. Während des Segelns und ankernd in einer Bucht stehen keine 220V zur Verfügung. Allerdings können mit einem mitgebrachten 12V-Adapter Kleingeräte wie Handy oder Fotoapparat an einer 12V-Steckdose geladen werden.
Elektrische Geräte (Zahnbürste, Rasierer, Tablet usw.) können bei Landstrom aufgeladen werden.

Darf man an Bord der Segelyachten rauchen?

Bitte habt Verständnis, dass unter Deck nicht geraucht werden darf. An Deck kann in Lee in der "Raucherecke" mit viel Rücksicht geraucht werden.

Wann muss man bei Segelreisen an Bord sein?

Wir gehen am Anreisetag nachmittags ab 17 Uhr an Bord der Yacht. Bevor wir an Bord gehen, wird die Yacht vom Skipper übernommen und durchgecheckt. Hierfür bitten wir um Geduld, damit der Skipper diese wichtige Tätigkeit gründlich und in Ruhe erledigen kann. Dabei bietet sich derweil die Möglichkeit für die übrigen Mitsegler, z.B. die ersten Einkäufe zu erledigen.

Das eigene Gepäck kann in dieser Zeit auch bereits vor der Yacht oder - in Absprache mit dem Skipper bei der Charterfirma abgestellt werden. Möglicherweise müssen auch noch letzte Wartungsarbeiten an diesem Tag erledigt werden. Die erste Nacht verbringen wir im Hafen an Bord der Yacht. Am Törn-Ende kommt das Team samt Yacht am Tag vor dem Abreisetag im Hafen an. Dort wird Klar-Schiff gemacht und wenn nötig werden Instandsetzungsarbeiten vorgenommen, so dass die Yacht für die nächste Crew bereit ist. Am Abreisetag verlassen wir vormittags bis spätestens 10 Uhr das Boot, damit die Endreinigung und möglicherweise ein Yachtcheck bzw. Wartungsarbeiten vorgenommen werden können.

Wie erfolgt die Kabinen- und Kojenbelegung auf einer Yacht?

Auf den Yachten gibt es Zweierkabinen,  die meisten mit Doppelkojen und einzeln mit Stockkojen.
Eine Yacht mit drei Zweierkabinen hat eine Bug- und zwei Heckkabinen, überwiegend mit Doppelkojen, also 2 Kojen nebeneinander.
Vierkabiner haben zwei Bugkabinen - entweder eine oder beide mit Stockkojen - und zwei Heckkabinen mit Doppelkojen.
Fünfkabiner haben meistens drei Bugkabinen (davon zwei mit Stockkojen) und zwei Heckkabinen mit Doppelkojen.
Die Mitseglerinnen und Mitsegler werden immer zu zweit in einer Zweierkabine untergebracht. Der Skipper/die Skipperin schläft im Salon, wenn kein Kabinenplatz mehr frei ist.


Einzelbuchende teilen sich eine Zweierkabine mit einer gleichgeschlechtlichen Person (gilt nicht für Familientörns).
Auf vielen Törns ist mit einem Aufpreis auch die Buchung einer Einzelkabine möglich, so dass eine Person alleine in einer Zweierkabine liegt. 
Die Kojen-Einteilung geschieht vor Ort. Dabei wird der Skipper die Zufriedenheit der gesamten Crew im Auge behalten: z.B. Pärchen möglichst in eine Kabine mit Doppelkoje, 2 Freunde/innen in eine Kabine gemeinsam, usw.
Stellen Sie sich bitte darauf ein, dass es auf einer sportlichen Fahrtenyacht unter Deck recht eng ist. Besonders die Kabinen bieten außer den Kojen nicht viel Platz. Sie werden auf einem Törn auch nur zum Schlafen genutzt.

 

Seekrankheit. Werde ich Seekrank, wie fühlt es sich an und was kann ich dagegen tun.

Als aller erstes, keine Angst, bei den meisten ist eine reine Kopfsache. Aufgrund unserer Erfahrung werden die wenigsten Mitsegler Seekrank wenn man bestimmte Vorbereitungen trifft.

Vor dem Törn.

  1. keinen Stress und gut ausschlafen!

  2. Eine Gesunde leichte vitaminreiche Ernährung!

  3. Wenig oder keinen Alkohol!

  4. Nicht gleich ablegen und in die raue See stechen, sondern sich erst eine Nacht an das Schaukeln der Yacht im Hafen gewöhnen.

  5. Während des Törns, nicht zulange unter Deck aufhalten, lieber an Deck Beschäftigung suchen wie z.B. Rudergehen, Segelbedienen oder entspannt den Horizont absuchen.

Das sind meine Empfehlungen und für diejenigen die es ein wenig genauer Wissen wollen um was es sich bei einer Seekrankheit handelt und was Ihr aus Medizinischer Sicht tun könnt.

 

Vorab, nur etwa 10-20% der Mitsegler leiden an den ersten 1-2 Tagen auf See an leichter Seekrankheit, welche sich durch Übelkeit und einem Schwindelgefühl äußert. Dies verschwindet sofort, sobald man einen Hafen erreicht bzw. nicht mehr dem Seegang ausgesetzt ist. In der Regel ist spätestens nach dem 3. Seetag das Unwohlsein überwunden. Es gibt diverse Tricks und Hausmittel die helfen, Medikamente gegen die Reisekrankheit können aufgrund der Nebenwirkungen nur sehr bedingt empfohlen werden.

Ursachen und Symptome.

Die Seekrankheit gehört zu der Gruppe der Bewegungskrankheiten (Kinetosen) und resultiert aus der Irritation des Körpers, wenn Gleichgewichtssinn und optische Wahrnehmung nicht zusammenpassen. Typischerweise ist das der Fall, wenn das Boot schwankt, während man unter Deck auf feststehende Objekte schaut.

Bei praktisch allen Menschen lässt sich Seekrankheit experimentell erzeugen, doch nicht jeder ist gleich empfindlich. Am stärksten gefährdet sind Kinder im Alter von etwa 12 Jahren, jenseits des 50. Lebensjahres lässt die Neigung zur Seekrankheit dagegen deutlich nach. Auch Kleinkinder unter 2 Jahren sind praktisch immun, weil ihre Bewegungswahrnehmung noch nicht voll entwickelt ist.

Die ersten Symptome sind Müdigkeit, häufiges Gähnen und allgemeines Unwohlsein, später kommen verstärkter Speichelfluss und zwanghaftes Schlucken dazu. Die Haut wird blass und den Betroffenen steht oft kalter Schweiß auf der Stirn. Schließlich führt die Erkrankung typischerweise zu heftigem Erbrechen. Schwindel, Kopfschmerzen, sowie (selten) Funktionsstörungen von Herz und Kreislauf können sich ebenfalls dazugesellen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn aufgrund von Übelkeit oder Erbrechen die Aufnahme von Flüssigkeit über längere Zeit nicht möglich ist.

Psychologische Aspekte können das Auftreten zusätzlich verstärken oder auch abschwächen. Insbesondere die Angst vor der Seekrankheit selbst erhöht die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken. Seekrankheit kann ein Risiko werden, das Auftreten sollte im Vorfeld verhindert werden. Als probates Mittel hat sich das Rudergehen erwiesen: bei ersten Symptomen des Unwohlseins sollte der Betroffene ans Steuerrad. Der Blick auf den Horizont hilft dem Gehirn, mit den Schaukelbewegungen umzugehen. Auf größeren Schiffen kann es auch helfen, sich in der Schiffsmitte aufzuhalten, wo die Bewegungen im Allgemeinen geringer sind. Wichtig ist auf jeden Fall, nicht zu lange zu warten und bei ersten Anzeichen zu handeln.

Die meisten Seeleute berichten übereinstimmend, dass nach zwei bis drei Tagen mit entsprechendem Seegang ein Gewöhnungseffekt eingetreten ist. Das Thema Seekrankheit ist dann für den Rest des Törns erledigt. Wenn es die Törnplanung und das Wetter zulassen, ist es also sinnvoll die Gewöhnung an die Schiffbewegungen mit einzuplanen. Wie sehr sich das Gleichgewichtssystem an die Bewegung angepasst hat, merkt man dann abends beim Landgang, wenn der Boden im Restaurant zu sehr schwankt.

Mittel gegen Seekrankheit

Medikamente

Ein in Deutschland rezeptfreies Mittel gegen Seekrankheit ist

  • Dimenhydrinat - Standardpräparat gegen Kinetosen als Saft, Tablette oder Kaugummi (Markenname Vomex A®, Superprep® oder Generika). Die Wirkung ist mit einer Erfolgsrate von ca. 70% recht gut, allerdings macht Dimenhydrinat müde und verlängert die Reaktionszeit deutlich.

Nur gegen Verschreibung erhält man:

  • Scopolamin TTS - Wird als Pflaster (am besten hinter dem Ohr) aufgeklebt (Markenname Scopoderm TTS®). Diese Anwendungsform hat den Vorteil, dass keine Tabletteneinnahme erforderlich ist und dass der Wirkstoff gleichmäßig über 72h abgegeben wird. Am besten klebt man das Pflaster schon 5-6h vor Beginn des Törns auf, um einen ausreichenden Wirkstoffspiegel im Blut zu erreichen. Scopolamin gehört in Studien zu den wirkungsvollsten Medikamenten gegen Seekrankheit, ist aber für Kinder unter 10 Jahren und Schwangere nicht zugelassen.

  • Cinnarizin - Wirkt ähnlich wie Dimenhydrinat und soll ebenfalls wirksam gegen Seekrankheit sein. In Deutschland ist Cinaarizin nur als Kombination mit Dimenhydrinat erhältlich (Arlevert® Tabletten)

  • Metoclopramid - wirkt gut gegen Erbrechen, nicht jedoch gegen Schwindel. Als Tablette, Tropfen oder Zäpfchen erhältlich. Markenname Paspertin® oder Generika (MCP).

  • Meclozin - wirkt gut gegen Schwindel und war u.a. unter dem Handelnamen Postadoxin erhältlich. Die Zulassung hierfür ist in Deutschland zwar abgelaufen, aber mit enem entsprechenden Rezept (Meclozin-HCl) kann dieses Medikament von vielen deutschen Apotheke z.B. aus Dänemark beschafft werden. Nebenwirkung auch hier kann Müdigkeit sein.

Achtung - die meisten Mittel gegen Seekrankheit machen müde und verlängern die Reaktionszeit.Besonders negative Effekte zeigt hier Dimenhydrinat, Scopolamin scheint etwas weniger sedierend zu wirken. Von einer Medikamenteneinnahme durch Schwangere und Kinder wird generell abgeraten. Die besten Erfahrungen über Sicherheit in der Schwangerschaft liegen für Dimenhydrinat vor.

Wegen der mitunter deutlich verlängerten Reaktionszeit nach Einnahme von solchen Medikamenten sollte grundsätzlich immer die Schiffsführung, möglichst im Vorfeld, über eine Einnahme in Kenntnis gesetzt werden. Dies kann Einfluss haben auf die Einsetzbarkeit an Deck oder in der Navigation, auf die Wacheinteilung und letzten Endes mitunter auch auf die Routenwahl.

Medikamente in Tablettenform sollten nicht erst nach dem Ablegen oder nach dem Auftreten erster Symptome eingenommen werden. Dann ist das Magen bereits übersäuert und kann die Wirkstoffe nicht mehr aufnehmen - im schlimmsten Fall verstärkt sich die Übersäuerung und damit aufkommende Übelkeit sogar. In solchen akuten Fällen kann man auf Zäpfchen ausweichen. Dazu kommt, dass die Medikamente eine mehr oder minder lange Vorlaufzeit benötigen, um zu wirken.

Psychologie

Während Medikamente entweder an der Reizwahrnehmung und -verarbeitung des Gleichgewichtssinns oder an der Unterdrückung von Übelkeit ansetzen, kann man über die Psychologie gezielt versuchen, die Ursachen von Seekrankheit zu bekämpfen.

Häufig ist zu beobachten, dass sich Menschen unterbewusst in die Seekrankheit reinsteigern. Besonders deutlich wird dieses, wenn der erste erbricht und Auslöser für die anderen ist.

Um die Verbindung zwischen leichter Übelkeit und echter Seekrankheit (Erbrechen, Lethargie, Schläfrigkeit) geistig zu unterbrechen, kann man seinen Mitseglern ruhig klarmachen, dass echte Seekrankheit recht selten ist. Bei Seegang ist eine leichte Übelkeit durchaus normal - das ist aber keine Seekrankheit und muss sich nicht dazu entwickeln. Auch kann man persönlich gute Ergebnisse erzielen, in dem man sich nicht zu stark auf eine eventuell vorhandene Übelkeit konzentriert.

Weitere krankheitsfördernde Faktoren sind Streß unterschiedlichster Ursachen. Vorher unbekannte Crewzusammensetzung mit den daraus resultierenden sozialen Anpassungsprozessen, Übermüdung nach einer langen Anfahrt, Klimawechsel, Termindruck wegen langen Etappen, unzureichende Einweisung in die Gegebenheiten an Bord, Probleme bei der Anreise, aber auch Geruchsbelästigung durch schlechte Lüftung, Zigarettenrauch oder ausgelaufener Diesel können solche Stressfaktoren sein. Bei einer Häufung solcher Faktoren kann es hilfreich sein, wenn die ersten ein oder zwei Etappen bewusst sehr kurz gewählt werden, um dem Körper Zeit zur Akklimatisation zu geben. Viele Crews können danach selbst sehr lange Etappen ohne Seekrankheit und ohne Medikamente überstehen.

Weitere Maßnahmen

Ernährung: Je nach Seegangverhältnissen kann die Zubereitung von heißen Getränken oder Speisen während der Fahrt schwierig bis unmöglich werden. Bei rauer See möchte oft niemand mehr unter Deck gehen, da er befürchtet, seekrank zu werden. Es ist daher wichtig, den Körper bereits vor Beginn der Etappe ausreichend mit Flüssigkeit und Nahrung zu versorgen. Das Bereitstellen von gezuckerten Heißgetränken und Suppen in Thermoskannen für die Fahrt gehört zur Planung dazu. Von Alkohol ist dringend abzuraten. Alkohol schränkt die Möglichkeit des Körpers, die widersprüchlichen Gleichgewichtsinformationen abzugleichen, weiter ein und verstärkt damit das zugrunde liegende Problem. Auch von fetten oder eiweißreichen, also schwer verdaulichen Speisen ist abzuraten, obwohl ein Zusammenhang mit der Seekrankheit hier weniger deutlich ist. Wie vor anderen sportlichen Herausforderungen auch, sollte die Nahrung vor allem auf der Basis von leicht verdaulichen Kohlenhydraten aufgebaut sein. Hier bieten sich Kartoffeln, Getreideprodukte und Teigwaren an.

Lagerung: Prinzipiell sollte jeder so liegen, wie es für ihn oder sie am bequemsten ist. Experimente deuten darauf hin, dass eine Lagerung auf dem Rücken die Anfälligkeit für Kinetosen senkt.

Alternative Methoden

Ingwer: In einzelnen Placebo-kontrollieren Studien hat sich gezeigt, dass die Einnahme von 1-2g Ingwer das Auftreten von Seekrankheit vermindern kann.

Akupressur: Ganz vereinzelt wird über Erfolge durch Druck auf einen Akupressurpunkt am Handgelenk berichtet. Da bei solchen Therapiekonzepten im Allgemeinen eine gute Placebokontrolle schwierig ist, ist unklar, inwieweit hier vielmehr psychologische Effekte wirksam werden.

Ohne Frage werden einige Maßnahmen und Mittel eine somatisch nachweisbare Wirkung haben, andere möglicherweise nicht. Ob ihr Nutzen nun im Doppelblindversuch nachgewiesen werden konnte oder nicht - der psychologische Einfluss ist nicht zu unterschätzen.